Noch bevor der Begriff Slacklining entstand, experimentierten Kletterer im
kalifornischen Yosemite-Nationalpark an Regen- und Ruhetagen mit ihrer Ausrüstung

und balancierten über Kletterseile, Schlingen und Absperrketten.
Solcherart schulten sie an Regen- und Ruhetagen Gleichgewichtsgefühl,
Koordinations- und Konzentrationsvermögen.
Bald schon erwies sich die Slackline, ein dynamisches, reißfestes Schlauchband,
als das optimale Material zur effizienten Erzielung der gewünschten Effekte,

weil im Gegensatz zum straff gespannten Seil beim Seiltanz
das dehnbare Schlauchband ständige Ausgleichbewegungen erfordert.

Slacklining nutzten bereits Sportler unterschiedlichster Disziplinen vom Kampf-
bis zum Schisport zur Verfeinerung ihrer Gleichgewichts-Grundlagen,
noch ehe das Balancieren auf dem Band die Parks zuerst in den USA

und jetzt auch in Europa als der neue Trendsport eroberte.

Slacklines werden in den unterschiedlichsten Längen, Spannungen und Höhen
aufgebaut. Low- und Tricklines sind am gebräuchlichsten, in der Regel nicht mehr
als zehn Meter lang und verlaufen in Knie- bis Hüfthöhe, um ein einfaches Auf-
und Absteigen zu gewährleisten.
Alle anderen Lines erfordern ein umfassendes Wissen um Technik und Statik.

Ihr Aufbau sollte Personen mit einschlägiger Erfahrung vorbehalten sein, weil die
auftretenden Kräfte das Material auf eine Belastungsprobe stellen können.
Rückversicherung und voneinander unabhängige Fixpunkte sind obligat.

Long Distance Lines sind schon über Strecken von hundert Metern gespannt worden.
Ihr Begehen erfordert vom Athleten höchste Dauerkonzentration, zudem gilt es, Ruhe zu
bewahren und auftretende Schwingungen besonders in Bandmitte zu vermeiden.
Highlines gelten als die Königsdisziplin des Slacklinings. Sie werden oft hunderte Meter
über dem Talboden zwischen Felsformationen verankert und sind mit einem unter die
Line geklebten Kletterseil rückversichert. Als zusätzlichen Reiz bei der Begehung mit
Klettergurt und Sicherungsschlinge – eine Ausnahme bildet der amerikanische
Weltklassekletterer und Artist Dean Potter, der Highlines auch Free Solo bezwingt –
nennen die Highliner das psychische Element, indem sie ein Gefühl beschreiben,
regelrecht durch die Luft zu gehen.
Wesentliches Verdienst, Slacklinig in der Alten Welt populär gemacht zu haben,
kommt dem österreichischen Kletterer und Alpinfotografen Heinz Zak zu.
Er begeht sämtliche Formen von Lines, hat dasGeschehen auf Foto und Film
dokumentiert und gibt seine Begeisterung in Workshops und Meetings weiter.